Grußwort zu Ostern 2026
Liebe Gemeinde,
wenn der Himmel brennt, wird es still.
In diesen Wochen sehen wir solche Bilder mit Schrecken in den Nachrichten aus dem Nahen Osten: Städte unter Beschuss, Menschen auf der Flucht, blockierte Hilfe, neue Eskalation. Und am 8. März auch bei uns – ganz anders, und doch verstörend genug: Eine Feuerkugel zog über den Abendhimmel, ein Meteoritenteil durchschlug in Koblenz-Güls sogar ein Hausdach. Niemand wurde verletzt. Aber plötzlich war spürbar, wie zerbrechlich diese Welt ist.
Vielleicht ist das das Verbindende: Dort zerreißt Krieg das Leben von Menschen. Hier riss für wenige Sekunden ein unerwartetes Licht die Dämmerung auf. Beides erinnert daran, dass wir nicht Herren der Welt sind. Wir planen, ordnen, sichern, erklären – und dann genügt ein Einschlag, eine Nachricht, ein Bild, und alles gerät ins Wanken.
Genau in so einer Wirklichkeit feiern wir Ostern. Nicht über den Dingen. Nicht neben der Dunkelheit. Sondern mitten in ihr. Das Johannesevangelium sagt vom Ostermorgen einen nüchternen, fast harten Satz: Maria von Magdala kam zum Grab, als es noch dunkel war (vgl. Joh 20,1). Das ist keine fromme Kulisse. Das ist unsere Welt. Trauer. Angst. Ratlosigkeit. Und genau dort handelt Gott.
Ostern heißt nicht: Alles ist gut. Ostern heißt: Das Grab behält nicht das letzte Wort. Der Tod behält nicht das letzte Wort. Die Gewalt behält nicht das letzte Wort. Gerade in einer Zeit, in der der Nahe Osten wieder brennt und viele Menschen kaum noch an Frieden glauben können, klingt diese Botschaft nicht harmlos, sondern trotzig und notwendig: Gott hat dem Leben Zukunft gegeben – nicht irgendwann, sondern mitten in die Nacht hinein.
Die Feuerkugel vom 8. März war nach Sekunden verglüht. Das Osterlicht nicht. Es ist kein Spektakel. Es drängt sich nicht auf. Aber es bleibt. Es leuchtet denen, die weinen. Es hält sich an denen fest, die keine Kraft mehr haben. Es widerspricht der dunklen Behauptung, dass am Ende doch nur Angst, Gewalt und Grab gewinnen.
Darum ist Ostern mehr als ein schönes Fest. Es ist der Widerspruch Gottes gegen die Finsternis. Und vielleicht brauchen wir genau das in diesem Jahr besonders: nicht billige Vertröstung, sondern diese stille, unbeirrbare Hoffnung, dass selbst jetzt schon ein anderes Licht in der Welt ist.
Gesegnete Ostern!
Ihr Pastor Dr. Hanno Schmitt





