Grußwort zu Ostern

Liebe Schwestern und Brüder!

Der 2013 verstorbene Alt-Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher, war einmal in einer kleinen Kapelle an einem Berghang Südtirols zum Gottesdienst. Er muss wohl etwas Zeit gehabt haben, denn in einem alten Schrank der Sakristei machte er nachher eine Entdeckung, die er in einem Buch beschreibt:

„Hinter allem möglichen Krimskrams, wie er sich an heiligen Orten zu sammeln pflegt, hinter zerbrochenen Leuchtern, staubigen Papierblumen, abgebrannten Kerzen und einer Menge Spinnweben hat er in der Ecke gestanden und hat mir die fein geschnitzte Hand entgegengestreckt: ein wunderbarer Auferstandener der Barockzeit. Ich habe die Figur auf den Altar gestellt, und durch das runde Fenster in der Westwand ist die Abendsonne draufgefallen. Er war wirklich schön, ganz Freude und Leichtigkeit, wie einer der alle Last der Welt abgestreift hat. Ich werde ihn nicht mehr vergessen, dieses so bodenlos leichtsinnig verräumte Kunstwerk, und kann nur hoffen, dass er inzwischen nicht den Weg in irgendeine Antiquitätenmesse angetreten hat oder bei Neureichs auf der Kommode zwischen Jade-Buddha und einer Jugendstilvase thront. Er kommt mir nicht aus dem Sinn, der Auferstandene aus dem alten Schrank, auch heute nicht, nachdem nun so viele Jahre vorbeigegangen sind.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Autor hat ein Bild, eine Figur gefunden. Und wer könnte so sachlich-theoretisch-trocken sein, dass er – vor dem Hintergrund des großen Geheimnisses von Ostern – nicht ein anschaubares Bild schätzen würde. Den angehenden Religionslehrern schärft man ein, dass die konkret-operationale Phase bei den Kindern lang andauert. Sie brauchen den Bildbezug. Ich behaupte, dass wir im religiösen Sinn alle Kinder bleiben. –

Holen wir also unsere liebgewordenen Bilder aus den Schränken kalter Sachlichkeit hervor! Geben wir „unserem“ Auferstandenen konkrete Züge und ein bestimmtes Aussehen! Nur das kann zu Herzen gehen und eine Wirkung für den Alltag haben.

Ich wünsche Ihnen für die österlichen Festtage die Fähigkeit, in den Gottesdiensten zu malen. Wenn wir das Wort der Hl. Schriften hören. Möglichst konkret und plastisch die eigenen Bilder zu den Texten zu erschaffen. Und insbesondere wünsche ich ihnen, dass sie einen Auferstandenen innerlich kreieren, dessen Vorstellung ihnen etwas bedeutet.

Die großen Feste des Kirchenjahres sind wichtig und entscheidend für die Gemeinde. Für die Einzelseele ist es aber notwendig, dass etwas aus der Festzeit in den Alltag „rübergerettet“ wird. Nehmen Sie Ihre teuren Bilder mit und verräumen Sie keines!

Alle guten Segenswünsche für die Kar- und Ostertage!

Ihr Kooperator

Pfr. Peter Schwan