Grußwort zum Februar 2026

„Die Kölner Sakramente“ – Wahrheit im Narrengewand

Liebe Schwestern und Brüder in der Pfarreiengemeinschaft Freisen – Oberkirchen!

Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Ehe, Weihe, Krankensalbung. So sind wir diese siebenfache Aufzählung der Sakramente unserer römisch-katholischen Kirche gewohnt. Das ist auch eigentlich weltweit so. Mit Ausnahme der Erzdiözese Köln, zu deren Metropolie wir ja gehören. In Köln kennt man – natürlich mit einem Augenzwinkern und gewisser Bierlaune – zehn Sakramente. Die sieben oben genannten und drei weitere:

8. Sakrament: Kamelle vom Prinz;

9. Sakrament: Das Aschenkreuz;

10. Sakrament: Eine Tante im Kloster.

Die typische Begabung der Kölner Christen für den rheinischen Jubelkatholizismus, die Fastnacht und markig-zotiges Sprechen bringt es mit sich, dass diese humoristischen Nennungen einen theologischen Sinngehalt haben, der über ein erstes Lachen hinausgeht. Ohnehin rückt die Ausgelassenheit des närrischen Lachens oft unvermittelt in eine Nähe zu tatsächlicher Heiligkeit. Auch große Theologen und Prediger der Neuzeit haben diese Nähe immer wieder beschrieben (z.B. Helmut Thielicke, Das Lachen der Heiligen und Narren. Nachdenkliches über Witz und Humor, Freiburg i. Br. 1974).

Schauen wir einmal in diesem Sinne theologisch auf die Kölner Sondersakramente:

Kamelle vom Prinz

Der Christ ist dazu berufen, sein Leben mit den Themen und Farben des Kirchenjahres zu kolorieren. „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit. […] eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz.“ (Koh 3, 1.4) Was der Prediger Salomo hier so zutreffend formuliert, das ist für uns Gläubige eine Entlastung: Wir können unsere Psyche ja nicht verwenden wie eine Heimorgel, mit der man bestimmte Tonarten ansteuern kann. Wir leben in den vielen Schattierungen menschlicher Stimmung. Und wir benötigen Zeiten des Übergangs dringender denn je. Die Fastnacht ist eine solche Zeit: Wir erleben eine Zeit des Feierns und der Ausgelassenheit, die uns ermöglicht, uns neu und entschieden auf die Österliche Bußzeit einzulassen.  In ihr wird auch deutlich, dass die Botschaft der Kirche den ganzen Menschen in seiner leib-seelischen Beschaffenheit anzusprechen vermag.

Der typische Kölner hebt die Kamellen vom Prinzenwagen auf und (!) zündet in S. Maria in der Kupfergasse ein Opferlicht an. Beides! Berufen ist der ganze Mensch. Der ganze Katholik ist zum Heil berufen.

Das Aschenkreuz

„Bedenke Mensch, Staub bist du und zum Staube kehrst du zurück!“ Mit dieser Formel spendet uns der Priester das Aschenkreuz. Eigentlich kein Lifestyle-Satz, kein Input in ein selbstbewusstes Leben, keine Hymne an den modernen Menschen. Aber nur auf den ersten Blick! Der zweite, tiefer gehende Blick muss eine entscheidende Doppelinformation konstatieren:

1. Du bist endlich – basta!

2. Bis zu deinem Tod hast du aber die Möglichkeit, immer wieder Generalrevision deines Lebens zu veranstalten. Und Gott, der dich endlichen Menschen unendlich liebt, wird die ernstgemeinte Revision deines Lebens immer wieder annehmen. Bei jeder Spendung des Aschenkreuzes – nach der Fastnacht – und darüber hinaus. Immer und immer wieder.

Eine Tante im Kloster

Ich bin froh und stolz, dass ich dieses Sondersakrament empfangen durfte. Meine Tante, die bei luxemburgischen Karmelitinnen im Kloster war, kam jeden Sommer zu uns in Heimaturlaub – mit einer klösterlichen Freundin, die keine Angehörigen mehr hatte. Dabei habe ich folgendes gelernt: Es gibt zu den alltäglichen Lebensentwürfen und Berufen auch solche, die mit dem Gewürz der Evangelischen Räte versehen sind. Und dieses Gewürz der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams macht nicht notwendig unattraktiv oder altbacken. –

Auch das Priestertum sollte (!) mit diesem besonderen Gewürz versehen sein. Unsere Gemeinden werden, das bringt die notwendig sakramentale Grundstruktur der Kirche mit sich, von geweihten Priestern übernatürlich „ernährt“. Doch die Berufungspastoral – im Hinblick auf Priestertum und Ordensberufe – liegt in Trümmern. In 24 Priesterjahren habe ich einem (!) jungen Mann geraten, in das Priesterseminar unserer Diözese einzutreten. Das hat damals noch real existiert – jetzt besteht es nur noch als notwendiges rechtliches Konstrukt.

Das Sondersakrament von der „Tante im Kloster“ will uns immer wieder neue sagen:

Die Botschaft des Evangeliums und seine Räte für die, die tiefer hören wollen, besteht auch in unserer Zeit. Und jeder, der den ganzen und unverfälschten Jesus von Nazareth hören will, hat damit zu tun! –

„M’r sin nit so!“ Mit diesem Motto der Saarbrücker Karnevalsgesellschaft von 1856 grüße ich Sie ganz herzlich! Lassen Sie es sich gutgehen während der tollen Tage. „Sin Se nit so“, wenn mit Ihnen oder über Sie gelacht werden soll! Ich verspreche es!

Das theologische Schauen auf die etwas unernsten Sakramente hat, so denke ich, erstaunlich viel Ertrag gebracht. Als Katholiken sind wir Heilige und Narren zugleich. Nehmen wir unsere Berufung zum ganzen und ungeteilten Menschsein an!

Dann stehen wir zusammen wenn die Luftschlangen fliegen und wenn das Aschenkreuz erteilt wird!

In diesem Sinne Alleh-hopp!

Immer Ihr

Pfarrer Peter Schwan, Kooperator

Aktuelle Hinweise

Krankenkommunion im Monat Februar: Pfarreien St. Remigius Freisen und St. Laurentius Wolfersweiler mit Walhausen am 05. Februar 2026 ab 15:00 Uhr, Pfarrei St. Katharina Oberkirchen am 04. Februar 2026 ab 15:00 Uhr und Pfarrei Maria Königin des Friedens Grügelborn mit Reitscheid am 04. Februar 2026 ab 10:00 Uhr
Annahmeschluss für den nächsten Pfarrbrief ist der 10. Februar 2026.

Sammlung für die St. Wendeler Tafel am 03. Februar 2026 von 15:30 bis 16:45 Uhr in der Sakristei der Pfarrkirche Freisen (Pfarrbüro).

Aus der Pfarreiengemeinschaft in die Ewigkeit abberufen

In die Ewigkeit abberufen wurden vom 08. Dezember 2025 bis 12. Januar 2026 aus der Pfarrgemeinde St. Remigius Freisen – Walter Schmit und Leo Horst Müller, aus der Pfarrgemeinde Maria Königin des Friedens Grügelborn und St. Martin Reitscheid – Vinzenz Schaadt und Reinhold Kniespeck, aus der Pfarrgemeinde St. Katharina Oberkirchen – Eberhard Alles, Hermann Scheid und Charlotte Calabrese – Herr, gib ihnen die Ewige Ruhe und das Ewige Licht leuchte ihnen. Amen

Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen

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