Grußwort zum Mai 2026
Wenn die frommen Beter in die Gänge kommen -Bittprozessionen vor dem Hochfest Christi Himmelfahrt
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn der berühmte Priester Sebastian Kneipp (* 17. Mai 1821 – + 17. Juni 1897) zum Versehgang (Spendung der Letzten Ölung und Wegzehrung an einen Sterbenden) gerufen wurde, dann hatte er – abhängig natürlich von der Jahreszeit – eine eigenartige Praxis. Wir müssen uns das so vorstellen: Angetan mit Soutane, Rochett, Priesterkragen und Stola hielt er mit der einen Hand das bemäntelte Ziborium (Speisekelch) mit den hl. Hostien. Und in der anderen Hand hielt er Schuhe und Socken, um barfuß durch die taufrischen, feuchten Wiesen zu gehen. Dabei war ihm sicherlich nur zu bewusst, dass er etwas tat, was gleichermaßen spirituell und medizinisch wirksam war. Es war eine Prozession des Gebetes und des ganzheitlichen Gesundens in gleicher Weise. Der Katholizismus ist etwas zutiefst gesundes. Er spricht den ganzen Menschen in seiner leib-seelischen Verfasstheit an. –
Wenn wir uns vor dem Himmelfahrtstag betend auf den Weg machen, dann zollen wir dieser Wirklichkeit Respekt. Wir handeln wie die Emmaus-Jünger, die einen österlichen Dreiklang befolgen: In Bewegung kommen – die Schrift betrachten – eucharistisch „einkehren“ (Lk 24, 13-35). Und wir glauben zurecht, auf diese Weise – wie sie – den Auferstandenen zu finden. Vor allem: indem wir erst mal in die Gänge kommen. –
Die Prozessionen vor dem Himmelfahrtstag haben aber nicht nur einen ganzheitlich-medizinalen und einen (die Frömmigkeit) forcierenden Sinn. Das verstärkte Gebet vor Himmelfahrt trägt zudem einem zutiefst theologischen Zusammenhang Rechnung:
Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi. An Christi Himmelfahrt sprechen die Kirchengebete und die Präfation jedoch von einer Wahrheit, die den Menschen in einer Weise auszeichnet, die schlechterdings einmalig ist:
Jesus wirft seine Menschennatur nach Ostern nicht weg wie eine Hülle, die ihren Dienst getan hat und die er nicht mehr braucht. In seiner glorreichen Himmelfahrt nimmt er sie vielmehr mit – hinein in die Wirklichkeit des Dreifaltigen.
Wenn Sie so wollen: Seine / unser aller Menschennatur wird Teil der Wirklichkeit des lebendigen Gottes. „Ein Stück Menschenwirklichkeit wird Teil des Ewigen!“
Man könnte das mit Bildern aus der Wirklichkeit der parlamentarischen Demokratie illustrieren: An Himmelfahrt findet unser „Angeordneter“, der Mensch (!) Jesus, seinen Platz im großen, höchsten Parlament der Drei im Himmel. Und an den Bitttagen wenden wir uns an unseren Abgeordneten und bittend freuen wir uns, das wir so gut vertreten sind. Mit einem „von uns“.
Erlauben Sie mir noch einmal die drei Gesichtspunkte dieser Betrachtung zu sammeln:
Der ganze und gesunde Mensch ist Adressat des Katholizismus (Kneipp) und wir dürfen uns darauf freuen, betend-bittend und kräftigend für Glauben und Körper in Bewegung zu geraten. Eigentlich immer. Aber vor Himmelfahrt besonders!
Uns ist in dieser Bewegung verheißen, dass der Auferstandene mit auf dem Weg ist, und – in den drei Schritten, die Lukas zeichnet – zeigt er sich uns (Emmaus).
Und drittens: Der christliche Beter betet anders als in den übrigen Religionen. Er betet zu einem Gott, in dessen Wirklichkeit – durch die Wahrheit des Himmelfahrtstages immer schon „Mensch“ enthalten ist. Der christliche Beter liegt einerseits auf den Knien. Und das zurecht! Doch er hat ein geheimnisvoll starkes Selbstbewusstsein. Und seit Himmelfahrt kann ihm das niemand mehr nehmen. –
Liebe Schwestern und Brüder!
Kneippen, wallen, beten und gesunden Sie!
Lassen Sie die Wirklichkeit der Bitttage und des Hochfestes der Himmelfahrt des Herrn ganzheitlich-heilsam auf sich wirken!
In der Hoffnung, Ihnen gedient zu haben,
immer Ihr!
Pfr. Peter Schwan, Kooperator





