Grußwort zum Oktober 2026
„Ich bin der Papst, der auf’ s Gaspedal tritt!“
11. Oktober – Gedenktag des Hl. Johannes XXIII.
Liebe Schwestern und Brüder in unserer Pfarreiengemeinschaft!
Der 28. Sonntag im Jahreskreis verdrängt dieses Jahr den Gedenktag des Heiligen Roncalli-Papstes Johannes XXIII. (1881-1963). Ihn haben die Kardinäle nach dem fast überlangen Pontifikat Pius XII. (1939-1958) – als einen 77jährigen Übergangspapst, der nicht viel verändern wird – gewählt. Es gefällt jedoch oft dem Allmächtigen, die Menschen und ihr Denken und Planen als absurd und ungenügend zu entlarven („Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege!“ Jes 55,8). Johannes hat während seines kurzen Pontifikates viel bewegt. Voll Liebenswürdigkeit und Nähe begegnete er seinen Zeitgenossen, so dass die Römer ihm den Spitznamen „il papa buono“ (der gute Papst) verliehen haben. Durch sein Leitwort „Aggiornamento“ (am besten mit „Heutigmachung“ oder „Aktualisierung“ übersetzt) hat er den weiteren Verlauf der Kirchengeschichte maßgeblich geprägt.
Im Sinne dieses „Aggiornamento“ verkündete Johannes bereits im Januar 1959 die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), dessen Vollendung er nicht mehr erlebte. Es ging ihm um eine Öffnung zur Welt, um Gegenwartssprache statt Dogmatismus und darum, dass die Kirche eine Medizin der Barmherzigkeit sein solle. Er selbst, der erfahrene Diplomat (Bulgarien, Türkei, Griechenland, Paris), wandte diesen Gedanken der „Kirche als Medizin“ weltpolitisch an (Kuba-Krise 1962 u.a.). Die Kirche sollte segnen – nicht verurteilen! Kommunizieren – nicht abschotten! – Im Sinne des Papstes Johannes wollte dann das Konzil deutlich die Fenster der Kirche zur modernen Welt öffnen. In Inter mirifica lobten die Konzilsväter technische Erfindungen, die Gottes Wort über Grenzen hinweg tragen können. Im Bereich der Evangelisierung würde das Konzil gestreamte Gottesdienste und das Format der Shorts oder Reels vermutlich feiern, ohne dass die Notwendigkeit realer Anwesenheit und tätiger Teilnahme in der Eucharistiefeier / bei den Sakramenten ersetzt werden soll. Es geht um ein zusätzliches Engagement der Seelsorger, die sich der Mühe unterziehen wollen, in diesen Formaten homiletisch tätig zu werden. Johannes und das Konzil würden heute sicherlich so bzw. so ähnlich formulieren:
1. Streaming: „Nutzt die Technik, um die Frohe Botschaft zu verbreiten, aber verwechselt den Bildschirm nicht mit dem Altar. Die Kirche ist ein Leib aus Fleisch und Blut, kein Netzwerk aus Pixeln.“
2. Shorts und Reels: „Auf den heutigen Straßen der digitalen Welt aber gilt: Redet kurz, klar und packend, damit die Menschen euch verstehen! Es geht also um eine kreative, niederschwellige Ansprache und um das Abholen der Menschen in ihrer gegenwärtigen Lebensrealität. Gottesdienst-Streams, Internet-Predigten und die homiletische Verwendung von Shorts und Reels sind zeitgemäße Auskompositionen von Inter mirifica (Art. 1). Insoweit sind sie auch Ausfluss des Aggiornamento-Leitgedankens des Hl. Johannes und stehen unter seinem Schutz!
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)
Ich bin mir sicher, dass die genannte Rechenschaft nicht nur im Inhalt unseres Sprechens besteht. Auch die Form gehört dazu. Ein digitales Zeitalter darf auch Ansprüche an die Form unseres Antwortens stellen.
In diesem Sinne bin ich sehr dankbar, dass Pastor Dr. Hanno Schmitt – für unsere Pfarreiengemeinschaft – sehr früh diese berechtigten Ansprüche verstanden hat. Und weiterhin bin ich dankbar dafür, dass er in der Verkündigung neue, moderne, digitale Wege geht. (Wer kann, der kann!) Dankbar bin ich auch für diejenigen aus unseren Reihen, die ihn dabei unterstützen.
Auf die Fürsprache des Hl. Papstes Johannes bewahre uns der Herr in einer moderaten, christlichen Modernität und Weltzugewandtheit! Auf dass unsere Zeitgenossen unsere Hoffnung verstehen!
Herzliche Grüße!
Immer Ihr
Pfarrer Peter Schwan, Kooperator



