Grußwort zum September

Liebe Gemeinde,

kurz vor Beginn der nun hinter uns liegenden Sommerferien, der Zeit, in der wohl die meisten Reisen unternommen werden, hat das Unternehmen Virgin Galactic mit einem Testflug von sich reden gemacht, das Ausflüge ins Weltall für jedermann anbieten will. Der britische Milliardär und Abenteurer Richard Branson will mit seiner Firma nun finanzkräftige Kunden für einen Trip ins Universum gewinnen. Was bisher nur hochqualifizierten Wissenschaftlern möglich war, soll nun für viele Gelegenheit sein. Ich frage mich, mit welchen Eindrücken die Menschen, die von dieser neuen Möglichkeit des Tourismus Gebrauch machen, zur Erde zurückkommen werden. Wird dieser Ausflug sie von Gott entfernen, weil sie sich im Himmel umschauen und dann wie einst der erste russische Kosmonaut Juri Gagarin zum Schluss kommen, „ich habe Gott nicht gesehen“. Oder werden sie vielmehr sich John Glenn, dem ersten Amerikaner, der mit einem Raumschiff die Erde umrundet hat, anschließen können, der damals gesagt hat: „Auf diese Schöpfung zu schauen und nicht an Gott zu glauben ist unmöglich.“ Auch die ersten Menschen, die auf dem Mond waren, wurden durch ihre Mission in ihrem Glauben noch mehr bestärkt. Und so feierten sie, bevor sie das Landemodul verließen, eine Art eucharistischen Gottesdienst. Hierfür hatte Aldrin von zuhause konsekriertes Brot wie Wein und einen kleinen Silberkelch mitgebracht. Ein Jahr nach dieser ersten etwas abgewandelten Art von heiliger Messe auf dem Mond schrieb dieser: „Jetzt saßen Neil und ich im Eagle, während Mike unsichtbar im schwarzen Himmel über uns in der Mondumlaufbahn kreiste. Kurz nach unserer geplanten Essenszeit gab Neil das Signal, die Leiter auf die pudrige Oberfläche des Mondes hinunterzulassen. Jetzt war der Moment für die Kommunion. Also legte ich die Elemente und die Schriftlesung auf den kleinen Tisch vor dem Computer des Abbruchleitsystems. Dann rief ich nach Houston zurück. ´Houston, das ist Eagle. Hier spricht der LM-Pilot. Ich bitte um einige Momente der Stille und lade alle, die zuhören, wo sie auch sind, wer sie auch sind, zu einer kurzen Unterbrechung ein, um die Ereignisse der vergangenen Stunden zu betrachten und Dank zu sagen.‘

Ich schenkte den Wein in den Kelch, den unsere Kirche mir gegeben hatte. In der Sechstel-Schwerkraft des Mondes rollte der Wein langsam und anmutig die Seite des Bechers hinauf. Es war interessant, darüber nachzudenken, dass die allererste Flüssigkeit, die jemals auf dem Mond eingeschenkt wurde, und das erste Essen, das dort gegessen wurde, Kommunionelemente waren. Und so las ich, kurz bevor ich an den Elementen teilnahm, die Worte, die ich als Zeichen unseres Glaubens gewählt hatte, dass wir, wenn der Mensch in den Raum vordringt, tatsächlich in Christus handeln.“

Liebe Gemeinde,

wie überwältig bin ich vom Glauben dieser Männer, die gewusst hatten, dass alles, was sie erreicht haben, sie letztlich Gott verdanken, was sie veranlasste selbst auf dem Mond, wo sie alle Hände voll zu tun hatten, wo jeder Handgriff zählte und jede Minute kostbar war. Dass sie selbst dort und in dieser Situation ähnliches taten, was wir Sonntag für Sonntag gemeinsam am Altar tun. Und wie schmerzlich ist es für mich als Priester zu erleben, dass gerade die Feier der Eucharistie immer mehr an Stellenwert verliert und immer weniger Menschen zur heiligen Messe kommen. Ich wünschte mir sehr, dass gerade denen, die meinen ganz gut auch ohne die Messfeier auskommen zu können und darauf verzichten, weil sie die Woche über genug Arbeit hätten, etwas von dem Wissen und dem Glauben im Leben aufleuchten würde, die beide zusammen genommen, Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zum Mond und wieder zurück gebracht haben.

Herzliche Grüße

Ihr Pastor Dr. Hanno Schmitt