Grußwort zur Fastenzeit 2026

Gebrochenes, Abgebrochenes und Zerbrochenes an uns lieben lernen –

Mit Saulus / Paulus in die Fastenzeit und zu einem österlichen Neubeginn

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir Deutschen schätzen geradlinige, zielstrebige Biographien, die auf Umwege, Wiederholungen, Abbrüche und Neuorientierung möglichst verzichten. Am besten liest es sich in etwa so: Am Gymnasium eine Klasse übersprungen und Abitur mit 17 ½. Ordentliches Studium in weniger als der Regelstudienzeit mit zwei englischsprachigen Auslandssemestern, Abschluss mit 23, Promotion (- summa cum laude -) mit 24 und Buchpräsentation der Doktorarbeit. Dann: Mit 25 Gründung eines (allseits beachteten) Startup-Unternehmens, das nach zwei Jahren börsennotiert ist. – Das ist natürlich etwas übertrieben, aber Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass der Deutsche Brüche und Neubeginn wirklich nicht sonderlich schätzt. Vielleicht hat sich diese Neigung noch durch unsere Geschichte verschärft. Schließlich mussten wir 1919 und 1945 zweimal ganz neu ansetzen. Wer hat das schon gerne? –

Wenn wir jedoch als Christinnen und Christen über das allgemeinmenschliche Phänomen der biographischen Brüche nachdenken, müssen wir zu einem anderen Ergebnis kommen. Denn, dass ich Sie mit „Christen“ im vorigen Satz angesprochen habe, verdankt sich dem vielleicht berühmtesten biographischen Abbruch und Neubeginn aller Zeiten: Saulus von Tarsus muss vor Damaskus erst vom Pferd fallen und erblinden, damit er – vom Saulus zum Paulus – werden kann. (Das ist ja nicht umsonst sprichwörtlich geworden.) Dieses Damaskuserlebnis wird letztlich sein Antrieb, sich einer ganz neuen Mission zuzuwenden. Der Mission seines Lebens.

Der einstige Christenverfolger wird zum Missionar. Der billigende Zuschauer beim Stephanus-Mord wird zum Apostel. Und ich habe eben nicht übertrieben: Wenn es dieses Ereignis, das die Kirche am 25. Januar feiert (Pauli Bekehrung), nicht gegeben hätte, wären wir alle heute keine Christen.

Denn Saulus von Tarsus, der zu den Füßen des berühmten Gamaliel die Schriften studiert hat, erlebt nicht nur einen biographischen Bruch. Nein, er bricht auch mit Überkommenem. Er geht ganz andere Wege – auch in der Lehre. Und man muss ihn zurecht als den ersten systematischen Theologen bezeichnen. Und mit dieser Gabe, die ihm in Fülle zuteil geworden ist, wendet er sich nun denen zu, die – für den Juden Saulus – hoffnungslos außerhalb des Heils stehen. Für den Paulus aber sind sie für Christus zu gewinnen und zu erreichen: Er geht zu den Heiden! Und das ausgerechnet der! Da ist schon auch ein Stück Absurdität verborgen. Gott liebt es, wenn das scheinbar Törichte alle Welt-Weisheit besiegt. Auch im Kreuz seines Sohnes obsiegt zunächst die Schwäche, obsiegt ein schändlicher Sklavenpfahl. Und doch überragt an Ostern Gottes Weisheit im verklärten Kreuzeszeichen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ohne den biographischen Bruch und Neubeginn des Paulus würden Sie heute keinen Pfarrbrief in Händen halten. Und unsere Kirche wäre eine bedeutungslose jüdische Sekte geblieben. Man würde heute kaum mehr von ihr wissen. Paulus war es, der den Weg zur Weltkirche geöffnet hat. Seine theologische Weitsicht hat es vermocht, die Heiden zu Christus zu bekehren. Doch bei allem Bruch und Neubeginn: Er hat den Stolz über seine Herkunft und sein Studium nie über Bord geworfen. Er bezeichnet uns Heiden-Christen als Zweige, die „eingepfropft in den edlen Ölbaum“ (Röm 11,24) des Volkes Israel sind. Er, der allen alles geworden ist (vgl. 1 Kor 9,22), verliert keineswegs seine Identität. –

Wenn wir uns in den Tagen der Fastenzeit auf Ostern vorbereiten, dann kommen uns sicherlich manchmal schon Brüche, Unterbrechungen und Abbrüche in den Sinn, die zu unserer Biographie gehören – und damit zu uns. Auch im Alltag erleben wir die Gebrochenheit menschlichen Lebens und die vielen Absurditäten unseres Daseins.

Das Buch Genesis, das aller Geschichtsschreibung den Sündenfall voranstellt, illustriert die Gebrochenheit des Anfangs.

Wir sind aber in diesen Tagen eingeladen, neu Hausputz zu halten – vor dem Hochfest der Auferstehung des Herrn. Hat doch gerade Christus zuerst zur Umkehr (Metanoia) aufgerufen. Wir sollten diesen Hausputz unserer Seele allerdings mit ein wenig Zärtlichkeit für uns selbst halten. Denken wir immer daran: Gerade aus Brüchen und Abbrüchen können große Dinge entstehen! Wir können uns immer und immer wieder neu für Christus entscheiden, umkehren und neu anfangen. Als Christen ist uns dieser Vollzug geradezu aufgetragen. Ja, der ganzen Kirche ist er aufgetragen: Ecclesia semper reformanda! (Kirche ist immer reformbedürftig!)

Unter dem Eindruck der Forderungen des Evangeliums muss auch die Kirche es immer wieder neu wagen, andere Wege, Wege der Umkehr zu gehen.

Liebe Christinnen und Christen in der Pfarreiengemeinschaft Freisen – Oberkirchen!

Ich habe versucht, Ihnen für die Fastenzeit den Hl. Apostel Paulus als Idol vor Augen zu führen. Möge der Heilige Ihnen die Zärtlichkeit hinsichtlich offensichtlicher Brüche vermitteln und zugleich die Konsequenz für Umkehr und Neuanfang.

Und wir Seelsorger würden uns darüber freuen, wenn wir Ihnen Ort und Gestaltung für ein Damaskus-Erlebnis bieten könnten: Eine herzliche Einladung zur Mitfeier eines Bußgottesdienstes vor Ostern soll hier nicht fehlen!

Paulus, einst Gesetzeslehrer,

Feind der Kirche, Feind des Herrn,

du Bekehrter und Bekehrer,

Christi Zeuge nah und fern:

hilf, dass uns auf allen Wegen

Jesu Tod und Leben prägen,

dass kein Trugbild dieser Welt

uns den Glanz vom Kreuz verstellt.

(Peter Gerloff)

Mit den allerbesten Grüßen

Immer Ihr

Pfr. Peter Schwan, Kooperator

Aktuelle Hinweise

Krankenkommunion im Monat März: Pfarreien St. Remigius Freisen und St. Laurentius Wolfersweiler mit Walhausen am 05. März 2026 ab 15:00 Uhr, Pfarrei St. Katharina Oberkirchen am 05. März 2026 ab 10:00 Uhr und Pfarrei Maria Königin des Friedens Grügelborn mit Reitscheid am 05. März 2026 ab 15:00 Uhr
Annahmeschluss für den nächsten Pfarrbrief ist der 12. März 2026.

Sammlung für die St. Wendeler Tafel am 03. März 2026 von 16:30 bis 17:45 Uhr in der Sakristei der Pfarrkirche Freisen (Pfarrbüro).

Evensong der Chöre der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen und des Pastoralen Raumes St. Wendel am 01. März 2026 um 19:00 Uhr in der Pfarrkirche Oberkirchen

Frühlingskonzert der Volkshauskapelle am 22. März 2026 um 17:00 Uhr in der Pfarrkirche Oberkirchen

Aus der Pfarreiengemeinschaft in die Ewigkeit abberufen

In die Ewigkeit abberufen wurden vom 18. Januar 2026 bis 18. Februar 2026 aus der Pfarrgemeinde St. Remigius Freisen – Rosemarie Becker und Scholastika Schmitt, aus der Pfarrgemeinde Maria Königin des Friedens Grügelborn und St. Martin Reitscheid – Manfred Dausend, aus der Pfarrgemeinde St. Katharina Oberkirchen – Ewald Alles und Josef Schnur – Herr, gib ihnen die Ewige Ruhe und das Ewige Licht leuchte ihnen. Amen

01. März 2026: 19:00 Uhr Evensong in der Pfarrkirche Oberkirchen mit den Kirchenchören der Pfarreiengemeinschaft und des Pastoralen Raumes

22. März 2026: 17:00 Uhr Frühlingskonzert des MV Volkshauskapelle

Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen

Katholisches Pfarramt Freisen - Oberkirchen
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