Grußwort zum Oktober

„Was Christum treibet“ – oder: Von der Not der Prediger

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Reformator Martin Luther hat immer gesagt, dass Predigt und Auslegung der Hl. Schrift immer nur und ausschließlich zum Ziel haben muss: „Was Christum treibet!“ Nun bleiben wir aber bewusst in der katholischen Tradition und lassen die Reformatoren ruhig Reformatoren sein. Martin Luther hatte nur, und die gefällt mir an vielen Stellen, eine markig-deutliche Sprache, die manchmal unmissverständlich ist. Und was das Predigen anbelangt, und dazu will ich Ihnen allen schreiben, hat Luther genau und richtig formuliert. Die Mitte des Predigens muss „Was Christum treibet“ sein. Das heißt: Im Mittelpunkt allen Predigtgeschehens muss der gekreuzigte und auferstandene Herr Jesus Christus stehen. Was seine andächtige Vergegenwärtigung „treibet“ ist gut und akzeptabel. „Was Christum treibet“ ist zu fördern und alles, was diesem Ziel abträglich ist, ist zu unterlassen. – Eine Trauerpredigt z.B. hat damit folgendes Ziel: Die biblischen Texte, die von Tod und Auferstehung Christi sprechen, mit den biographischen Daten des Verstorbenen zu verbrämen. Eine Trauerpredigt ist, wie alle anderen Predigten und Ansprachen in der Liturgie, immer Verkündigung der Frohen Botschaft von Christus, dem auferstandenen Sieger über Sünde und Tod. Meines Erachtens ist die Trauerpredigt sogar der Ernstfall der Verkündigung. Hier muss sich ja zeigen, ob sich die kirchliche Lehre vom Ewigen Leben, das Christus uns erstritten hat, auch als tragfähig erweist. Die Trauerpredigt muss die österliche Botschaft mit dem Lebenszeugnis des Verstorbenen zusammenbringen, das wollen wir als Prediger versuchen. Doch auch sie muss „Christum treiben“.

Nun sind Pfarrer Dr. Hanno Schmitt und ich uns einig, dass das Predigen auf dem Friedhof, bei Trauerfeiern ohne Sterbeamt, diesem Ziel des „Was Christum treibet“ abträglich ist. Weder akustisch noch mit liturgischen Mitteln gelingt es uns bisher, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die christliche Botschaft vom Sterben und Auferstehung des Herrn und deren Bedeutung für den Verstorbenen, ihren Platz hat. Manchmal haben wir auch das Gefühl, dass uns viele nicht richtig zuhören können, vor allem dann, wenn die Sonne brennt, der Regen durchnässt oder es dort auch zu unruhig ist. Es ist eben kein Vergleich mit dem gediegenen Platz, den die Predigt (Homilie) in der Eucharistiefeier einnimmt. Im Pfarrbrief Juli – August 2021 hatte ich Ihnen ohnehin darüber geschrieben, dass eine Beerdigung ohne Sterbeamt, d.h. ohne die sakramentale Darbringung des Kreuzesopfers für den Verstorbenen, eine Kürzung ist: Unsere lieben Verstorbenen haben einen unendlichen Nutzen von der Hl. Messe. Dort ist auch der legitime Ort für eine ausführliche Trauerpredigt – die „Christum treibet“.

Ich wurde schon oft gefragt, was ich an meinem Beruf besonders gern mache. Ich habe immer sofort geantwortet: Beerdigungen! Was ist denn, liebe Schwester und Brüder, für einen Priester schöner zu sagen als: „Christus hat in seinem Tod auch deinen Tod besiegt.“ Und Angehörigen diese Botschaft – mit den Mitteln der Predigt – zu vermitteln. Deutlich und verbindlich. Solche echten und ausführlichen Traueransprachen gehören – als Homilie – in die Sterbeämter.

Immer Ihr Kooperator

Pfr. Peter Schwan