Grußwort zu Weihnachten 2021

Liebe Millionärinnen und Millionäre!

Ivan Rebroff trug die berühmte Arie des Milchmanns Tevje durch Deutschland und machte sie bekannt. Es handelt sich um ein Lied aus dem Musical Anatevka von Jerry Bock (Musik) und Joseph Stein (Text): „Wenn ich einmal reich wär“ singt der arme doch sympathische Milchmann Tevje und dann träumt er vom guten Leben: Schöne Kleider und Schmuck für seine Frau, damit sie sich nicht mehr für ihre ärmlichen Kleider schämen muss. Und wichtig: Für alle seine Töchter eine reiche Aussteuer, damit sie einen guten Mann kriegen können und glücklich werden. „Das Leben wär ein Fest – wenn ich einmal reich wär.“ So singt Tevje.

Natürlich wäre es gut für Tevje und eigentlich für jeden, wenn er sein Auskommen verdienen könnte. Da muss noch viel getan werden – auch in unserem Land – damit wenigstens das normal ist. Aber es stimmt auch eine andere Wahrheit: Wer sich nur auf das Materielle, auf sein Geld verlässt, der ist manchmal am Ende ganz schön arm dran.

Und da, liebe Schwestern und Brüder, tritt Weihnachten auf den Plan. Paulus schreibt: „Jesus Christus, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2 Kor 8,9) An Weihnachten feiern wir die Inkarnation – die Fleischwerdung – des Gottessohnes. Der unendlich Reiche entkleidet sich all seiner Pracht und wird zu einem armen, hilflosen Kind, das in geradezu bedrückender Armut zur Welt kommt. Der sagenumwobene (phrygische) König Midas erbat sich von Dionysos bekanntlich die Gunst: Alles, was ich anfasse, das soll zu Gold werden. Sein Wunsch wurde erfüllt und er verwandelte alles zu Gold. Leider auch sein Essen und Trinken. Und er ging zugrunde. – Der weihnachtliche Gott verwandelt nichts in Gold. Er hat seinem ewigen Sohn die menschliche Fleischesgestalt beschieden. Damit er, in Jesus Christus, im Stall von Bethlehem unser Fleischesbruder, unser Blutsverwandter werden kann. Der Reiche wird arm, damit wir Weihnachtsmillionärinnen und Weihnachtsmillionäre werden können. Das Wort, das Fleisch geworden ist (Joh 1,14), macht uns stinkreich. Gott selbst wechselt mit uns die Position. Und das nicht nur für wenige Festtage, sondern für immer. Jeder Christ ist mit dem Christkind in der Krippe verwandt. Und das nicht in einem – weit hergeholtem und übertragenen – Sinn, sondern konkret und wirklich. Durch unser menschliches Fleisch und Blut! Die Kirchenväter lehren: Gott wird Mensch – damit der Mensch vergöttlicht werde. Ein wunderbarer Tausch, der uns alle millionenschwer macht. Wenn Tevje singt „Wenn ich einmal reich wär“, dann spricht er von einem verlierbaren und endlichen Reichtum. Paulus spricht von einem unverlierbaren, ewigen Reichtum: „Jesus Christus, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2 Kor 8,9) –

Ich wünsche Ihnen, liebe Pfarrangehörige, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2021 und einen guten Jahreswechsel! Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich wie Millionäre vorkommen – wenn die Weihnachtsbotschaft verkündet wird. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie für den materiellen Reichtum, von denen Tevje und der König Midas künden, nur ein entspanntes Lächeln haben. Die wahrhaft Reichen sind die Christinnen und Christen, die sich von dem armen Kind in der Krippe beschenken lassen!

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes 2022!

Immer Ihr Kooperator

Pastor Peter Schwan